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Die Lichtfühler - aus der Reihe "Körperuniversum"

  • Autorenbild: Karin Alana Cimander
    Karin Alana Cimander
  • 19. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 4. Feb.

Erschöpft ließ Maja die Einkaufstaschen in der Küche zu Boden sinken und atmete hörbar aus, als sich auf den nächstbesten Stuhl fallen ließ. Sie hatte lediglich ein paar Besorgungen gemacht und fühlte sich vollkommen erschöpft. Zudem war ihre Laune auf ein Minimum gesunken. Sie fühlte sich irgendwie gereizt, obwohl sie vor ihrem Einkaufsbummel noch fröhlich, bei Musik, durch die Wohnung getanzt war. Maja schüttelte verständnislos den Kopf über sich selbst. Sie kannte diese merkwürdige Mischung von Empfindungen auch von Besuchen bei ihrer Mutter, einer alleinstehenden, älteren Dame, die ihre Tochter stets mit Erzählungen überschüttete. Die Frau redete oft, ohne Punkt und Komma, auf sie ein. Bei Treffen mit ihrer Freundin Paula hingegen ging es Maja gut. Sie lachten viel, hatten Spaß und gingen achtsam und wertschätzend miteinander um. Hier fühlte sich Maja anschließend jedes Mal vital und lebendig.

Nachdem sie sich etwas ausgeruht hat, raffte sie sich auf, um sich einen Kaffee zu machen. Vielleicht half das ja. Er zeigte jedoch wenig Wirkung, sodass sie sich entschloss früh schlafen zu gehen. Trotz Erschöpfung fand sie später nicht in die Entspannung. Sie fühlte sich unruhig und fiel erst nach langem Hin und Her wälzen in tiefen, traumlosen Schlaf. Am nächsten Tag, einem Samstag, blickte ihr, als sie vor dem Badezimmerspiegel stand, ein sehr blasses Gesicht mit tiefen, dunklen Augenrändern entgegen.

    „Du hast auch schon mal besser ausgesehen‘, meinte sie zu ihrem Spiegelbild. „Was`n los mit dir, hä?“, und wandte sich kopfschüttelnd der Dusche zu. Gegen 10:00 Uhr wollte sie sich mit Paula bei dieser zum Frühstück treffen, worauf sie sich schon sehr freute. Auf dem Weg dorthin besorgte sie in ihrer Lieblingsbäckerei leckere Brötchen, diverse Sorten. Paula und sie liebten die Geschmacksvielfalt. Als die Freundin die Türe öffnete, stutzte diese.

    „Mein Gott, wie siehst du denn aus!“, entfuhr es ihr. „Du hast auch schon mal besser ausgesehen. Was ist denn los, Liebes? Hast du Ärger im Job oder Stress mit Marc?“

    „Nichts von beidem. Ich weiß auch nicht, was los ist“, entgegnete Maya achselzuckend.

    „Na, komm erst mal rein und lass uns frühstücken. Der Tisch ist schon gedeckt und die Eier gekocht“, entgegnete Paula aufmunternd. Als der Kaffee in den Tassen dampfte und sich die Frauen die ersten Bissen hatten schmecken lassen, griff Maja das Thema noch einmal auf.

    „Ich war gestern nur etwas länger einkaufen. Anschließend war ich vollkommen erledigt und hatte total miese Laune. Ich fühlte mich irgendwie gereizt und ärgerlich, vollkommen grundlos. Abends konnte ich dann, trotz Müdigkeit, erst überhaupt nicht einschlafen. Und der Zombie, der dir gegenüber sitzt, schaute mich dann heute Morgen aus dem Spiegel an.“

Paula, die mit der Kaffeetasse in der Hand den Ausführungen ihrer Freundin gefolgt war, nickte leicht.

    „Ich hab das auch manchmal, wenn meine Mutter mich so zugetextet hat“, ergänzte Maja.

Paula nahm einen Schluck, bevor sie ihre Kaffeetasse absetzte.

    „Du, ich kenne das auch. Mir ging es früher ähnlich, bis ich vor einiger Zeit ein Buch in die Finger bekommen habe. Hat mir meine Yogalehrerin empfohlen. Seither verstehe ich, was geschieht, wenn man einige Zeit unter vielen Menschen ist, bzw., was passiert, wenn jemand, wie deine Mutter, durch die Zutexterei, deine Aufmerksamkeit, praktisch erzwingt, was wir natürlich unbewusst zulassen!“, endete sie. Maja zog interessiert die Augenbrauen hoch.

    „Erzähl!“

    „Also, jeder von uns hat sogenannte Lichtfühler. Wir haben tausende davon. Die tun, wenn wir sie lassen, den ganzen Tag nichts anderes als überall hineinzufühlen, was uns begegnet, egal was ist. Ob es das Gemüse im Supermarkt, die Hinterlassenschaft eines Hundes ist oder Menschen, denen wir begegnen. Beim Einkaufen treffen wir meistens auf Menschen, die hektisch durch Geschäfte hetzen und schlechte Laune haben. Unsere Lichtfühler nehmen das auf und leiten es in unser sogenanntes Energiefeld, wo es gespeichert wird.“

Maja nickte verstehend.

    „Und was ist dann mit meiner Mutter?“ Paula nickte.

    „Da ist es genauso. Hier kommt jedoch noch hinzu, dass sie dir, durch das ständige auf dich Einreden, deine Energie entzieht. Der geht‘s, wenn du bei ihr warst, bestimmt jedes Mal gut.“ Maja nickte wieder.

    „Ja, sie sagt immer, dass meine Besuche ihr so guttut und sie sich anschließend tagelang wohl fühlt.“

    „Siehste!“

    „Ja, und was kann ich nun dagegen tun?“

    „Du kannst, als erstes, wenn du rausgehst, deinen Lichtfühler sagen, sie sollen bei dir bleiben und dich einhüllen. Da sie jedoch sehr neugierig sind, macht sich der eine oder andere doch schon mal auf den Weg. Hinzu kommt, dass andere, denen du begegnest, ja auch welche haben. Wenn ich nach Hause komme, sage ich laut zu meinen Lichtfühler, dass sie alle gereinigt zu mir zurückkehren sollen. Zusätzlich sage ich `Alle Teile, die nicht zu mir gehören, kehren, mit Liebe versehen, an ihren Absender zurück. Alle Teile, die zu mir gehören, kehren, mit Liebe versehen, an ihren rechten Platz zu mir zurück. Ich bin heil und unversehrt.` Damit reinigt sich dein Energiefeld und du holst dir die Energie, die du beispielsweise bei deiner Mutter gelassen hast, zurück. Da unser Energiefeld immer zu 100 % angefüllt sein möchte, stelle ich mir abends, vor dem Einschlafen zusätzlich noch vor, dass alles, was ich noch brauche, zu mir kommt. Manchmal träume ich dann beispielsweise von einem Möbelwagen, der Möbel liefert und Möbelpacker sie ins Haus tragen oder von einem Swimmingpool, der komplett mit Wasser gefüllt wird, usw.“, endete Paula lächelnd und nahm einen Schluck Kaffee. Maja schwieg einige Zeit, dass Gefragte auf sich wirken lassend. Dann meinte sie skeptisch, an ihre Freundin gewandt:

    „Und das klappt? Hört sich irgendwie nach nem Fantasy Roman an.“

    „Versuchs, wenn du magst. Was hast du zu verlieren?“, entgegnete Paula über ihre Tasse blickend.

    „Stimmt, du hast recht! Ich werde es ausprobieren. Danke für den Tipp. Es kann ja nur besser werden“, entgegnete Maja zustimmend nickend.

    Zuerst kam sich Maja ein wenig albern vor, als sie in der kommenden Zeit die Empfehlungen ihrer Freundin umsetzte. Wie erstaunt war sie jedoch, als sie spürte, dass sich etwas veränderte. Sie empfand keine Müdigkeit und Abgeschlagenheit nach Einkäufen oder den Besuchen bei ihrer Mutter mehr! Auch die Beziehung zu ihrem Freund Marc veränderte sich. Alles schien irgendwie noch harmonischer. Maja war voller Energie und Lebensfreude. Sie hatte wieder Interesse an ihren Hobbys, die schleichend leise, in den Hintergrund getreten waren. Menschen, denen sie nun begegnete, blickten oft erstaunt auf. Maja strahlte jetzt eine Präsenz aus, die von deren Lichtfühlern wahrgenommen wurde.



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