Krafttiere (aus der Reihe "Körperuniversum")

Aktualisiert: 26. Aug.
Immer tiefer drang Mona in die Höhle vor und folgte, begleitet und geführt von monotonem Trommelklang, dem steinigen, feuchten Gang, der sie immer weiter in die Tiefe führte.
Mona nahm an einem schamanischen Seminar teil, bei dem es ihr gelingen konnte, ihr Krafttier in der sogenannten Unteren Welt, der Heimat der Krafttiere, kennenzulernen. Die Teilnehmer lagen, mit geschlossenen Augen, auf Matten bzw. saßen auf Kissen oder Stühlen. Das monotone, schnelle Trommeln senkte ihre Gehirnfrequenz, so hatte man ihnen erklärt, wodurch sie in der Lage waren, Dinge wahrzunehmen, die ihnen im normalen Alltag verborgen blieben.
Der Gang vor Mona verengte sich kurz, gab dann jedoch eine weite Ebene frei, die wie eine normale Naturlandschaft aussah. Hier wuchsen Bäume und Sträucher auf dunkler Erde. Etwas weiter entfernt sah Mona einen kleinen Bach, der plätschernd in seinem steinernen Bett dahinfloss. An ihm sah Mona einen Wapitihirsch stehen. Sie ging auf ihn zu. Der Hirsch wandte sein mächtiges Geweih und schaute Mona aufmerksam an.
„Bist du mein Krafttier?“, fragte sie. Das stolze Tier senkte zur Bestätigung seinen Kopf. Sie hörte es sagen:
„Lebe deine Gaben aktiv. Unterscheide, wann es an der Zeit ist, laut und deutlich zu reden, und wann es Zeit ist, besser zu schweigen. Setze Grenzen und behaupte deinen Platz. Wisse, dass du geschätzt und geachtet bist.“
Dann setzte sich der Hirsch in Bewegung und ging. Mona schaute ihm erstaunt nach. Wow!
Sie ging weiter und sah von Weitem einen Löwen.
„Bist du mein Krafttier?“, richtete sie die Frage auch an ihn.
Der Löwe schaute kurz auf, schüttelte seine mächtige Mähne und trottete davon. Mona ging weiter und traf Ameisen, einen Bären, einen Elefanten, eine Libelle und ein Eichhörnchen. Sie alle jedoch verneinten ihre Frage. Dann sah Mona eine Motte, die um eine Blüte flatterte. Mona trat näher und wiederholte auch hier ihre Frage. Fröhlich flatterte die Motte um sie herum, und Mona hörte:
„Löse alte Verbindungen, Verpflichtungen und Verträge. Der Weg ist frei. Es liegt an dir, ihn zu beschreiten.“
Dann flog sie davon. Mona schaute ihr wie gebannt nach, als sich plötzlich der Rhythmus des Trommelschlags veränderte.
Ah, das Rückholsignal, dachte sie und begab sich auf den Rückweg. Sie stieg den steinernen Höhlengang wieder hinauf und trat aus dem Höhleneingang ins Tageslicht.
Mona reckte und streckte sich und öffnete, wie auch die anderen Teilnehmer, die Augen. Nacheinander berichteten die Anwesenden von ihrem Erlebten.
„Das hat ja gut geklappt“, begann Kathinka, die Seminarleiterin. „Nun wisst ihr, wie es geht, und könnt, wenn ihr Fragen an eure Krafttiere habt, sie auf die gleiche Weise wie eben aufsuchen. Und lasst euch nicht von der Größe täuschen. Eine Ameise ist nicht weniger kraftvoll als ein Bär. Aber nicht nur eure Krafttiere unterstützen euch. JEDES Tier trägt eine spezielle Energie, eine spezielle Botschaft in sich. Wenn es euch bewusst im Alltag begegnet, und dabei spielt es keine Rolle, ob es lebendig oder tot ist, empfehle ich euch, zu recherchieren. Hierfür gibt es wundervolle Bücher oder auch das Internet.“, endete sie lächelnd.
Mona musste sofort an den totgefahrenen Igel denken, den sie gestern auf der Straße gesehen hatte, und nickte verstehend.
Die Botschaften und Informationen der Tiere und ihrer Krafttiere unterstützten Mona von da an sehr und halfen ihr, so manche Lebenssituation leichter zu meistern.
copyright 08/2026 by Karin Cimander



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