top of page

Familienstellen 2.0 (aus der Reihe "Körperuniversum")

Autorenbild: Karin Alana Cimander
Karin Alana Cimander
3. Sept.
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 3. Sept.

Henriette war die Aufstellungsarbeit nach Bert Hellinger bekannt, da sie während einer Rehamaßnahme vor einigen Jahren und auch später an derartigen Veranstaltungen teilgenommen hatte. Dabei wurde eine störende, disharmonische Familiendynamik aufgegriffen, bei der Teilnehmer in die Rollen von Familienmitgliedern schlüpften und anschließend, geleitet durch eine Aufstellungsleitung, in einen Dialog miteinander gingen. Spannenderweise fühlten die Protagonisten die Emotionen der Personen, deren Rolle sie übernahmen. So konnten Dinge über mehrere Generationen hinweg in Einklang gebracht werden. Die Schlusssequenz bestand aus dem Endbild eines harmonischen Miteinanders. Anschließend wurden die Teilnehmer aus ihren Rollen entlassen. Damit löste sich das aktuelle Thema im Hier und Jetzt. Diese Aufstellungen nahmen immer mehrere Stunden in Anspruch und bedurften mehrerer Personen.

 

Doch das hier, das war vollkommen anders!

Henriette hatte ihre Therapeutin Isabel um Unterstützung gebeten. In ihrer Familie gab es eine Auffälligkeit, die sich wiederholte. Alle Frauen in der Familie hatten keinen Partner und, wenn doch, nur kurz. Oder es waren Zweckbeziehungen, die nicht von Liebe geprägt waren. Auch Henriette lebte schon lange alleine. Frühere Beziehungen waren entweder keine Herzensverbindungen gewesen oder, als sie sich verliebte, wurde sie verlassen. Auch ihre Schwester und deren Töchter sowie ihre eigenen Töchter – sie alle teilten dieses Schicksal. Henriettes Eltern hatten geheiratet, weil ihre Mutter mit ihrer Schwester schwanger gewesen war. Sie konnte sich nicht erinnern, ihre Eltern jemals beim Austausch von Zärtlichkeiten beobachtet zu haben.

Henriette saß nun mit Isabel in einem Raum. Mit geschlossenen Augen hatten sie sich gemeinsam auf die energetische Aufstellungsebene begeben. Sie zeigte sich in einem nicht unangenehmen Dunkel und war vollkommen leer.

    „Okay“, begann Isabel, „dann müssen wir jetzt mal deine Eltern rufen.“

Henriettes Eltern erschienen auf der Ebene, sich voneinander abwendend. Ja, so kannte Henriette sie.

    „Fühl mal zu deiner Mutter hin. Was kannst du wahrnehmen?“

Henriette spürte Ablehnung dem Vater gegenüber, gleichzeitig jedoch auch eine Traurigkeit und Sehnsucht im Herzen.

    „Irgendwie scheint ihr Herz verschlossen“, entgegnete sie.

    „Ja, das kann ich auch wahrnehmen. Und jetzt rufen wir mal alle deine Vorfahren, die ebenfalls mit diesem Thema zu tun haben.“

Die Ebene füllte sich. Immer mehr Personen erschienen.

    „Und nun rufen wir alle Seelen, egal, ob lebend oder bereits verstorben, die ebenfalls in dieses Thema involviert sind.“

Henriette sah Personen, soweit das Auge reichte und darüber hinaus. Bei einem Großteil von ihnen konnte Henriette das verschlossene Herz spüren, so, als wären sie nicht fähig zu lieben.

    „Okay, und jetzt soll sich bitte die Ursache zeigen“, fuhr Isabel fort.

Weit in der Ferne war ein eisernes Herz, das in Ketten lag, zu sehen.

    „Ich habe das Gefühl, dass irgendwann jemand sein Herz verschlossen und auch gelobt hat, nie wieder zu lieben, wahrscheinlich aus einer tiefen Herzensverletzung heraus. Wir müssen die Ursache jedoch nicht konkret wissen oder benennen“, erklärte Isabel. „Bitte jetzt darum, dir den perfekten Zustand zeigen zu lassen. Wie wäre es, wenn alles geheilt ist?“

Henriette tat, wie ihr geheißen. Sie sah, wie die Ketten des Herzens weggesprengt wurden, das Herz selbst seine eiserne Haut verlor und zu leuchten begann. Das Leuchten breitete sich aus, floss über alle Personen hinweg, durchlichtete sie bis zu Henriettes Eltern. Es kam Bewegung in die Anwesenden. Partner wandten sich einander zu und umarmten sich liebevoll. Kinder, die zuvor verloren herumgestanden hatten, wurden von ihren Müttern auf den Arm genommen und liebkost. Auch Henriettes Eltern schauten sich liebevoll an und umarmten sich. Henriettes Mutter konnte endlich die Liebe annehmen, die ihr Vater schon so lange in sich getragen hatte, jedoch immer zurückgewiesen worden war.

Alle Anwesenden blickten voller Dankbarkeit zu Henriette. Harmonie und Leichtigkeit floss über die gesamte Ebene.

    „So, und damit das Ganze sich jetzt auch dauerhaft stabilisiert, fluten wir alle Anwesenden mit allen Energien, die hier benötigt werden, auf allen Ebenen über alle Zeiten hinweg. Auch alle Schwüre, Eide und Versprechungen dürfen sich jetzt auflösen.“

Die Ebene begann golden zu leuchten. Nach und nach verließen die Personen die Ebene, bis sie vollkommen leer war. Henriette und Isabel verließen die Ebene und kehrten zurück ins Hier und Jetzt.

 

    „Das war ja abgefahren!“, stieß Henriette aus. „Und jetzt ist alles okay?“

    „Ich gehe davon aus. Schau einfach, welche Veränderungen sich dir in der kommenden Zeit zeigen“, entgegnete Isabel augenzwinkernd.

 

Als Henriette das nächste Mal ihre Eltern besuchte spürte sie sofort, dass etwas anders war. Ihre Mutter verhielt sich wertschätzender und achtsamer ihrem Vater gegenüber. Es schien sich, ganz sanft, ein neues Band der Verbundenheit zu knüpfen.

 

Henriette selbst verspürte seit der Aufstellung eine bisher unbekannte, warme, helle Weite in ihrer Brust. Und sie wusste – jetzt konnte die Liebe auch zu ihr fließen. Sie war bereit, sie anzunehmen.

 

Copyright 09/2026 by Karin Cimander



Kommentare


bottom of page